Mrz 23

Nach der Nicht-Qualifikation Gruppe für die Olympischen Spiele 2012 haben Capucine Jelmi (19, Hauterive), Marine Périchon (18, Plan-les-Ouates) und Souheila Yacoub (19, Genf) per sofort den Rücktritt vom Spitzensport bekannt gegeben. Carol Rohatsch (18, Wädenswil) tritt per Ende Juni 2012 zurück.

Felix Stingelin, Spitzensportchef des Schweizerischen Turnverbandes bedauert den Entscheid der vier Gymnastinnen. «Ich kann es verstehen, doch ich hätte mir gewünscht, dass sie die Wettkampfsaison beendet hätten.» Durch den Rücktritt von vier von sieben Gymnastinnen des Nationalkaders muss die Schweiz auf den Start an den internationalen Wettkämpfen 2012 und vor allem auf den Start an den Europameisterschaften vom 29. Mai bis 3. Juni 2012 in Nischni Nowgorod (Russ) verzichten. Eine Gruppe besteht aus fünf Gymnastinnen. Mittelfristig wird eine neue Gruppe mit dem Ziel Olympische Spiele 2016 aufgebaut. Im Sommer werden Juniorinnen ins Verbandszentrum nach Magglingen wechseln. Bis diese ins Nationalkader integriert sind und neue Gruppenübungen zusammengestellt sind braucht es aber seine Zeit.

Die Schweiz gehört heute in der Rhythmischen Gymnastik zu den besten zehn Nationen der Welt. An den Weltmeisterschaften 2011 in Montpellier (Fra) wurde die Schweizer Gruppe ausgezeichnete 8. im Mehrkampf und 4. im Gerätefinal Band/Reif; an der WM 2010 in Moskau (Russ) wurden sie 9. im Mehrkampf. Trotzdem werden die Gymnastinnen Sommer nicht an den olympischen Spielen teilnehmen können. Zum ersten Mal lief der Qualifikationsmodus über ein zweistufiges Verfahren. Anlässlich der WM im Herbst 2011 qualifizierten sich die ersten sechs Gruppen für die OS, die nächsten sechs Nationen für den Testevent vom Januar 2012 in London. Dieser Modus erwies sich für die Schweiz leider als Nachteil. Am 17. Januar 2012 beendete das Schweizer RG Team den Gruppen-Mehrkampf am Olympischen Testevent in London auf dem undankbaren fünften Rang. Nur ein Platz entfernt von der Olympia-Qualifikation. Nach altem Qualifikationsprozedere waren die ersten zehn Nationen der WM startberechtigt. Noch nie war eine Schweizer Gruppe der Rhythmischen Gymnastik so erfolgreich.

Die Enttäuschung der Gymnastinnen und Trainerinnen war riesig und löst nun leider eine Rücktrittswelle aus:

   

Carol Rohatsch (Wädenswil, RG Rüschlikon) war seit 2009 Mitglied des Schweizer Nationalkaders und konnte während vielen Jahren eine Vielzahl von nationalen und internationalen Erfolge feiern. Sie nahm an drei Welt- und zwei Europameisterschaften teil. Zu ihren grössten Erfolgen gehören die beiden WM-Diplome 2011 (8. Gruppen-Mehrkampf, 4. Band/Reif), der 9. Rang im Gruppen-Mehrkampf an der WM 2010 sowie das EM-Diplom 2010 für den 8. Rang Band/Reif. Leider wurde ihr der grösste Traum aller Sportlerinnen verwehrt, die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Während vielen Jahren lebte Carol Rohatsch für ihren Sport und ihre Passion, nun tritt sie per Ende Juni 2012 zurück. «Die Enttäuschung nach der Nichtqualifikation für die Olympischen Spiele war riesig und schmerzt mich immer noch. Die Entscheidung den Rücktritt zu geben ist mir alles andere als leicht gefallen», gesteht die Zürcherin, «nachdem klar war, dass unsere Gruppe nun auch nicht mehr an die EM kann, fehlt mir die Perspektive und das Ziel um weiter zu machen». Carol Rohatsch wird an den Schweizer Meisterschaften 2012 vom 26./27. Mai 2012 in Bern starten. Mit Sicherheit wird sie noch einmal das Publikum mit ihrer Leidenschaft zur Rhythmischen Gymnastik verzaubern. Carol Rohatsch, will aber auch in Zukunft ihren Bewegungsdrang ausleben können: «Was ich genau machen werde weiss ich noch nicht, aber auf alle Fälle suche ich mir wieder einen Sport.» Gut vorstellen kann sie sich auch, dass sie irgendwann als Trainerin in der RG in der Halle stehen wird. Doch vorerst will sie die Handelsmittelschule in Zürich abschliessen.

Renate Ried
Fotos: Peter Friedli

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